Alters­vorsorge Selbstständige 2026 – Optionen für Freelancer

Stand: Juli 2026

Als Angestellter zahlt dein Arbeitgeber automatisch die Hälfte deiner Rentenversicherungsbeiträge. Als Freelancer trägt niemand außer dir selbst zur Altersvorsorge bei — kein Arbeitgeber, kein automatischer Pflichtbeitrag, kein Betrieb, der mitdenkt. Das Ergebnis: Wer als Selbstständiger jahrzehntelang keine altersvorsorge selbststaendige freelancer aufbaut, riskiert eine massive Rentenlücke im Alter. Dieser Ratgeber zeigt dir, welche Optionen du hast, was wirklich zu deiner Situation passt — und warum der Zeitpunkt des Starts entscheidend ist. Bevor du mit der Altersvorsorge startest, lohnt sich auch ein Blick auf die laufenden Kosten: Die Krankenversicherung für Selbstständige ist oft der größte Fixkostenblock im Freelancer-Budget und beeinflusst direkt, wie viel du monatlich für die Altersvorsorge zurücklegen kannst.

Rentenversicherungspflicht — bist du dabei oder nicht?

Die meisten Selbstständigen sind nicht verpflichtet, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Das klingt zunächst nach Freiheit — bedeutet aber: Du bekommst am Ende auch nichts heraus, wenn du nichts einzahlst.

Ausnahmen: Einige Berufsgruppen sind trotz Selbstständigkeit pflichtversichert. Dazu gehören Lehrer und Erzieher (wenn sie im Wesentlichen für einen Auftraggeber tätig sind), Pflegepersonen, Künstler und Publizisten über die Künstlersozialkasse (KSK), Hebammen sowie Handwerker in der Handwerksrolle. Sie zahlen den vollen Beitragssatz allein — im Jahr 2026 sind das 18,6 % des Einkommens, maximal auf die Beitragsbemessungsgrenze von 90.600 Euro/Jahr West.

Freiberufler wie Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten oder Steuerberater sind dagegen meist über ein berufsständisches Versorgungswerk pflichtversichert — ein eigenständiges Rentensystem außerhalb der Deutschen Rentenversicherung.

Wer weder pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung noch in einem Versorgungswerk ist, kann freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Der Mindestbeitrag liegt 2026 bei 100,07 Euro pro Monat, der Höchstbeitrag bei rund 1.404 Euro pro Monat (West).

Die Rentenlücke verstehen

Stell dir vor: Du verdienst 30 Jahre lang 50.000 Euro brutto im Jahr als Freelancer und zahlst in dieser Zeit keinen einzigen Euro in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Ergebnis: nahezu null gesetzliche Rente. Ein vergleichbarer Angestellter hätte nach 30 Jahren Beitragszeit Anspruch auf etwa 1.200 Euro Rente pro Monat — vor Steuern und Krankenversicherungsbeiträgen im Alter.

Wie viel Kapital brauchst du, um das auszugleichen? Faustregel: Für 2.000 Euro monatliche Rente im Alter benötigst du rund 480.000 Euro Kapital. Das basiert auf der sogenannten 25x-Regel (auch bekannt als 4-%-Regel des sicheren Entnahmesatzes). Du multiplizierst deinen jährlichen Bedarf — in diesem Fall 24.000 Euro — mit dem Faktor 25.

Wichtig: Alle Beiträge zur Altersvorsorge, die du als Sonderausgaben absetzen kannst — vor allem Basisrente und freiwillige Rentenversicherungsbeiträge — reduzieren zugleich deine Steuerlast. Wie du das in deiner Steuererklärung korrekt einträgst, erklärt unsere Steuererklarung als Freelancer.

Die wichtigsten Altersvorsorge-Optionen für Freelancer

Basisrente (Rürup-Rente)

Die Basisrente wurde speziell für Selbstständige entwickelt, die keine betriebliche Altersvorsorge und in der Regel auch keinen Anspruch auf Riester haben. Der größte Vorteil: steuerliche Absetzbarkeit. Im Jahr 2026 kannst du bis zu 29.344 Euro als Sonderausgaben vollständig absetzen — das macht die Basisrente besonders attraktiv für Gutverdiener im Spitzensteuersatz von 42 % oder 45 %.

Die Kehrseite: Das angesparte Kapital ist nicht flexibel. Du kannst es nicht vorzeitig kündigen oder dir auszahlen lassen. Ausgezahlt wird frühestens ab dem 62. Lebensjahr, und zwar ausschließlich als monatliche Rente — keine Einmalzahlung. Für Freelancer mit unregelmäßigem Einkommen kann das ein Problem sein.

ETF-Depot (freies Depot)

Das freie ETF-Depot ist die flexibelste Lösung. Du zahlst monatlich einen Betrag in breit gestreute Indexfonds ein — etwa den MSCI World oder FTSE All-World ETF — und kannst das Geld jederzeit entnehmen. Historisch erzielten globale Aktien-ETFs über 20 bis 30 Jahre eine durchschnittliche Rendite von 6 bis 8 % pro Jahr nach Kosten.

Steuerlich: Auf Kursgewinne und Dividenden fällt die Abgeltungssteuer von 25 % (plus Solidaritätszuschlag) an. Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 Euro pro Jahr, bis zu dieser Grenze bleiben Kapitalerträge steuerfrei. Auf Einzahlungen gibt es keinen Steuerbonus. Das ETF-Depot eignet sich ideal als zweite Säule neben der Basisrente — oder als alleinige Lösung für Freelancer, die maximale Flexibilität benötigen.

Riester-Rente

Für die Riester-Rente qualifizierst du dich nur, wenn du in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert bist — oder dein Ehepartner es ist. Die meisten Freelancer fallen damit heraus. Falls du zu der kleinen Gruppe gehörst, die freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, kannst du die Riester-Förderung mitnehmen — andernfalls ist diese Option für dich schlicht nicht relevant.

Immobilien

Die selbst genutzte oder vermietete Immobilie gilt in Deutschland seit Jahrzehnten als klassische Altersvorsorge. Eine Eigentumswohnung, die du im Alter mietfrei bewohnst, spart dir die laufenden Mietkosten — das ist effektiv eine monatliche Rente. Als Kapitalanlage bringen Mietimmobilien Renditen von 3 bis 5 % netto (nach Kosten) in guten Lagen.

Nachteile: hohe Einstiegskosten (Eigenkapital, Grunderwerbsteuer, Notar), wenig Liquidität — du kannst die Immobilie nicht schnell zu Geld machen, wenn du es brauchst. Dafür schützt Betongold langfristig gegen Inflation.

Freiwillige gesetzliche Rentenversicherung

Wer nicht pflichtversichert ist, kann sich freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung versichern. Mindestbeitrag: 100,07 Euro pro Monat (2026). Höchstbeitrag: rund 1.404 Euro pro Monat (West). Der Vorteil: Du erwirbst Rentenansprüche und bist gleichzeitig gegen Erwerbsminderung abgesichert. Außerdem zählen freiwillige Beiträge beim Mutterschaftsgeld mit. Für Freelancer mit stabilem Einkommen, die gesetzliche Absicherung schätzen, ist das eine solide Basisoption.

Vergleich: Welche Option passt zu dir?

Option Steuerbonus Flexibilität Mindestlaufzeit Für wen geeignet
Basisrente Hoch (bis 29.344 €/Jahr) Keine — kein Kapitalzugriff Bis mind. 62 Gutverdiener im Spitzensteuersatz
ETF-Depot Keiner auf Einzahlungen Maximal — jederzeit entnehmbar Keine Alle, besonders Flexibilitätsbedarf
Immobilien Gering (Abschreibung bei Vermietung) Gering — illiquide Langfristig (10+ Jahre sinnvoll) Stabiles Einkommen, Inflationsschutz
Freiwillige GRV Sonderausgabenabzug möglich Mittel — monatliche Rente ab 67 Ab Einzahlung bis 67 Wer gesetzliche Absicherung will

Warum früh starten so wichtig ist

Der Zinseszins-Effekt ist die mächtigste Kraft im Vermögensaufbau — und er braucht vor allem eines: Zeit. Schau dir an, was 300 Euro monatlich bei 6 % durchschnittlicher Jahresrendite bewirken:

  • Nach 10 Jahren: ca. 49.000 Euro
  • Nach 20 Jahren: ca. 139.000 Euro
  • Nach 30 Jahren: ca. 302.000 Euro
  • Nach 40 Jahren: ca. 599.000 Euro

Der Unterschied zwischen 10 und 40 Jahren ist nicht viermal so groß — sondern mehr als zwölffach. Das liegt daran, dass du ab einem gewissen Kapitalstock nicht mehr vom eigenen Einzahlen lebst, sondern die aufgelaufenen Erträge selbst neue Erträge erwirtschaften.

Wer mit 25 Jahren 300 Euro monatlich investiert, kommt auf rund 599.000 Euro bis 65. Wer erst mit 45 anfängt und die doppelte Summe einzahlt — 600 Euro monatlich über 20 Jahre — kommt nur auf rund 278.000 Euro. Früher starten schlägt höhere Sparrate. Das ist mathematisch, nicht motivierend gemeint: Der Zinseszins braucht Laufzeit, und Laufzeit lässt sich nicht kaufen.

Für Freelancer gilt dabei eine einfache Faustformel: Leg 10 bis 20 Prozent deines Nettoeinkommens für die Altersvorsorge zurück. Wer erst ab 35 anfängt, sollte eher 20 bis 25 Prozent einplanen, um die fehlenden Beitragsjahre und den verpassten Zinseszins-Effekt teilweise auszugleichen. Wer noch unsicher ist, wie er anfangen soll: Leg zunächst einen Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben an — danach kommt die Altersvorsorge.

Häufige Fragen zur Altersvorsorge für Freelancer

Muss ich als Freelancer Rentenversicherung bezahlen?

Nur bei bestimmten Berufsgruppen besteht eine Pflicht — darunter Lehrer, Erzieher, Künstler (über die KSK), Handwerker und Hebammen. Die meisten Freelancer und Freiberufler sind nicht pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung. Freiberufler wie Ärzte oder Anwälte sind stattdessen oft in einem berufsständischen Versorgungswerk.

Kann ich als Selbstständiger die Basisrente absetzen?

Ja — bis zu 29.344 Euro pro Jahr (Stand 2026) sind als Sonderausgaben vollständig absetzbar. Das macht die Basisrente (Rürup-Rente) besonders attraktiv für Freelancer mit hohem Einkommen und entsprechend hoher Steuerlast.

Ist die Riester-Rente für Freelancer geeignet?

Meistens nicht. Riester setzt voraus, dass du in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert bist — oder dein Ehepartner es ist. Die meisten Freelancer erfüllen diese Voraussetzung nicht und kommen deshalb nicht in den Genuss der staatlichen Riester-Förderung.

Wie viel sollte ich monatlich für die Altersvorsorge zurücklegen?

Faustformel: 10 bis 20 Prozent des Nettoeinkommens. Für späte Starter ab 35 Jahren empfehlen sich eher 20 bis 25 Prozent, um die fehlenden Beitragsjahre und die verpassten Zinseszins-Jahre teilweise auszugleichen. Entscheidend ist: jetzt anfangen, auch wenn der Betrag zunächst klein ist.